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Die Leistenhernie ist sehr häufig. Etwa 20 % aller Männer und 1 % aller Frauen bekommen während ihres Lebens diese
Krankheit. Das Auftreten der Hernie ist zwar bei langandauernder schwerer körperlicher Arbeit häufiger, diese Belastung kann jedoch nicht als alleinige Ursache angesehen werden.
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Leistenhernien sind Defekte der Bauchwand in der Leiste. Bei Männern treten in diesem Bereich die Samenstränge und die
Blutversorgung für die Hoden aus dem Inneren des Bauches nach außen. Deshalb befindet sich dort eine Stelle an der die Bauchwand in der Festigkeit vermindert ist. Die Samenstranggebilde treten schräg
durch die Bauchdecke und die Leistenhernien können den Samenstranggebilden folgen, treten also nicht direkt durch die Bauchdecke sondern im Gefolge der Samenstränge - also indirekt. Bei Frauen treten
Leistenhernien weniger häufig auf - die haben eben keine Samenstränge, also auch keinen Weg, dem der Bruch folgen kann.
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Die Symptome eines Leistenbruches sind Schwellungen und Schmerzen in der Leiste. Oft läßt sich eine Vorwölbung fühlen, die
je nach Anspannung und Lage des Körpers verschieblich ist. Gelegentlich reicht die Vorwölbung bis in den Hodensack, man spricht dann von einer Skrotalhernie. Problematisch wird es, wenn die Vorwölbung
(die ja eigentlich Bauchinhalt ist) anschwillt und nicht mehr zurückfällt oder sich nicht mehr zurückdrücken läßt, dann kann aus dem Bruch ein eingeklemmter Bruch geworden sein, der sehr schnell operiert
werden muss, damit kein weiteren Komplikationen und Probleme auftreten.
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Leistenhernien werden schon seit der Antike behandelt und auch operiert. Im Mittelalter wurde die Behandlung dieser
Erkrankung von Steinschneidern übernommen und im 18. und 19. Jahrhundert beschäftigten sich die ersten Chirurgen mit der Operation der Erkrankung. Bis dahin gab es jedoch keine wesentlichen Erfolge bei
der Behandlung, Mehr als 90 % der behandelten Patienten starben, da vor allem der eingeklemmte Bruch operiert wurde und nach der Operation keine Medikamente zur Behandlung der Komplikationen zur
Verfügung standen. Ausserdem war die Versorgung der Bruchlücke in dieser Zeit ein Problem. Die wenigen Patienten, die überlebten, bekamen praktisch immer einen neuen Bruch. In den Jahren vor 1890 wurden
bei den Leistenhernienoperationen immer nur die äüßeren Bauchwandschichten repariert. Das führt dazu, dass die Hernien immer wieder auftreten.
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1893 hat Bassini als erster ein Operationsverfahren entwickelt, in welchem die inneren Bauchwandschichten ebenfalls
repariert werden. Bassini hat berichtet, dass nur 3 % seiner Patienten eine erneute Leistenhernie bekommen haben. In der Folge wurden die Operationsmethoden weiter verändert. Dabei bleibt aber immer das
Prinzip der Versorgung der inneren Bauchwandschichten erhalten.
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In neuerer Zeit wurdedie Bauchwand im Berich der Leiste mit der Implantation von Netzen verstärkt. So lange die Netze nur
in der äußeren Schicht der Bauchwand (Vorderwand) eingesetzt wurden, ist die erneute Ausbildung der Leitenhernie vorprogrammiert, deshalb konnten sich auch bei der Versorgung der Leistenhernien nur
Netzimplantationen in die Hinterwand (innere Schichten der Bauchdecke) durchsetzen.
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Möglich ist auch die konservative (nicht operative) Versorgung der Leistenhernie durch ein
Bruchband. Hier wird ein aus einem mit Metall verstärktem Gürtel Druck auf die Austrittsstelle des Bruches ausgeübt, um den Bruch am Herausfallen zu hindern. Der Gürtel muss morgens vor dem Aufsehen
angelegt werden und wird den ganzen Tag getragen. Die Methode ist unbequem und verhindert das Herausrutschen des Bruches (z.B. beim Husten) nicht sicher.
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Operationsverfahren
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Konventionelle Versorgung der Leistenhernienhinterwand OHNE Netz
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Die Operation nach Bassini
(s.o.) ist seit mehr als 100 Jahren praktisch unverändert. Bei dieser Operation wird die Leiste freigelegt, der Bruchsack nach Eröffnung abgetragen und die Bruchlücke durch Nähte, die die Hinterwand der Bauchdecke mit erfassen, verschlossen. Die Methode ist nicht ganz einfach, da die Hinterwand nicht eingesehen werden kann und damit unter Umständen von der Naht nicht erfasst wird. Wenn die Methode richtig angewendet wird, ist die Gefahr, dass erneut ein Leistenbruch an dieser Stelle entsteht (Rezidiv), genauso groß, wie bei den anderen Verfahren, bei denen die Hinterwand versorgt wird (< 10 %). Die Operation ist auch in Lokalanaesthesie möglich.
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In den meisten Kliniken in Deutschland hat sich die Leistenhernienversorgung nach Shouldice
durchgesetzt. Hier wird die hintere Schicht der Bauchwand ebenfalls genäht. Aber das geschieht unter Sicht, so dass sofort klar ist, ob die Versorgung regelrecht erfolgen kann. Sollte das nicht funktionieren, kann man sofort auf ein Verfahren mit Netzimplantation umsteigen. Die Naht erfolgt bei der Methode nach Shouldice doppelt an der hintersten Schicht der Bauchwand. Der Bruchsack wird ebenfalls vorher abgetragen. Nachdem die NÄhte an der Hinterwand fertiggestellt sind, wird in zwei weiteren Nahtreihen die Bauchwand an das Leistenband genäht. Die Rezidivrate liegt bei ordnungsgemäßer Anlage der Nähte ebenfalls unter 10 %. Die Operation ist auch in Lokalanaesthesie möglich.
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Die oben genannten Verfahren wurden von verschiedenen Operateuren variiert, ohne dass eine Verminderung der Rezidivrate
erreicht werden konnte. Die meisten Veränderungen der grundlegenden Techniken sind Veränderungen an der Aussenseite der Bauchwand (Vorderwand), die für die Stabilität der Leiste im Erwachsenenalter
praktisch keine Bedeutung hat. Dagegen ist die Versorgung der Vorderwand bei Leistenhernien von Kindern Standard und sehr erfolgreich.
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Konventionelle Versorgung der Leistenhernienhinterwand MIT Netz
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Der Hautschnitt ist das einzige, was die beiden konventionellen Operationsarten mit und ohne Netz verbindet. Bei der
Implantation mit Netz wird meist auf die Abtragung des Bruchsackes verzichtet, der Bruchsack wird einfach wieder in den Bauch verlagert, allenfalls werden wenige Nähte an der Bruchlücke angelegt. Der
endgültige Verschluss der Bruchlücke erfolgt dann mit einem Kunststoffnetz, welches sich nicht auflöst, sodern fest mit dem Gewebe der Bauchwand verwächst. Scheinbar ist das aber auch ein Problem, denn
es hat sich gezeigt, dass auch nach der Versorgung mit Netz Rezidive auftreten. Man weiss heute, dass die Rezidive zwar später auftreten aber in etwa gleich häufig sind.
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Die Netze werden entweder hinter die Hinterwand (also direkt zwischen Bauchwand und Bauchfell) gelegt oder an der
Hinterwand befestigt.
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Das häufigste angewandte Verfahren mit Netzimplantation ist die Methode nach Lichtenstein
Dabei wird der Bruchsack nach abdominal verlagert und die Bruchlücke mit Nähten verkleinert. Im weiteren wird ein 10 x 15 cm großes Kunststoffnetz an das Leistenband genäht und auf der Bauchwandfaszie befestigt. Das Netz wird über einen Leistenschnitt eingebracht. Die Operation ist in Lokalanaesthesie möglich.
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Man kann das Netz über den Leistenschnitt auch hinter die Bauchwand legen, ohne es festzunähen. Dann liegt das Netz
präperitoneal und wird durch den Druck im Bauch festgehalten. Die Methode heißt nach der Netzlage und der Implantationsart: TIPP (transinguinal praep
eritoneal). Die Operation ist in Lokalanaesthesie möglich.
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Das Netz kann auch durch einen kleinen Schnitt weiter weg von der Leiste zwischen Bauchfell und Bauchwand eingelegt und
ausgebreitet werden. Diese Methode (Ugahary) kann man ebenfalls in Lokalanaesthesie durchführen.
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Bei der Methode nach Stoppa (beidseitige Hernie) und Wantz
(einseitige Hernie) wird das Netz von der Mittellinie des Bauches eingelegt, auch hier ist kein Schnitt über der Leiste nötig. Eine Vollnarkose ist hier wegen der großen Operaionsfläche notwendig.
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Endoskopische
Versorgung der Leistenhernienhinterwand MIT Netz
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Bei diesen Methoden ist die Versorgung mit dem Netz an der Innenseite der Bauchwand identisch mit der konventionellen
Versorgung. Allerdings wird das Netz auf eine andere Art und Weise hinter die Bauchwand gebracht. Dazu wird eine Videoskopieeinheit benutzt.
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Bei der TAPP (transabdominal praeperitoneal) wird die Operation direkt durch die
Bauchhöhle durchgeführt. Das Bauchfell wird von innen eröffnet, der Bruchsack in den Bauch hineingezogen und das Netz auf die Bruchlücke gelegt und mit Nähten oder Klammern fixiert. Danach wird das
Bauchfell von innen wieder verschlossen. Bei dieser Operation hat man eine sehr gute Übersicht, ob überhaupt ein Bruch vorliegt, und man kann ausserdem fast alle Organe des Bauches eingesehen werden, so
dass andere Ursachen für eventuelle Beschwerden unter Umständen gesehen werden können. Diese Operation kann nur in Vollnarkose durchgeführt werden.
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Dagegen wird bei der TEPP (total endoscopic praeperitoneal) mit den Instrumenten und
der Kamera ausserhalb der Bauchhöhle verblieben. Man schafft sich einen Raum zwischen Bauchfell und Bauchwand und behebt die Hernie indem man den Bruchsack nach innen in die Bauchhöhle verlagert und dann
ein Netz aufdie Bruchlücke legt. Nachdem das Gas abgelassen wurde, welches den Raum offen gehalten hat, wird das Netz durch den Druck des Bauches festgehalten. Diese Operation kann nur in Vollnarkose
durchgeführt werden.
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